Aktuelles aus der Landesgeschäftsstelle


Jagd und Jäger haben vielerlei Berührungspunkte mit naturräumlich ähnlich oder anders denkenden Menschen und deren Interessensvertretungen. Der gemeinsame Lebensraum ist begrenzt und wird durch vielgestaltige Begehrlichkeiten belastet. Pflanzen und Tiere können und dürfen nicht einfach in beruhigte Zonen ausweichen und es liegt in der Verantwortung des Menschen, die eigenen Begehrlichkeiten zeitlich und räumlich möglichst stressarm für die Wildtiere anzuordnen und damit vermeidbaren Konflikten vorzubauen.

Die LANDESGESCHÄFTSSTELLE des Steirischen Jagdschutzvereins ist bei Fragen in naturräumlichen Belangen Anlaufstelle für Jäger und Nicht-Jäger. Treten Sie mit Ihrem Anliegen mit uns in Kontakt, wir freuen uns auf Sie!

Internationale Jagdkonferenz 2018 in Zidlochovice

Schloss Zidlochovice (Foto: A. Rath)

(Bericht und Fotos: F. Herrmann, GF LJV Thüringen)
Am 6. September 2018 fand im tschechischen Schloss Zidlochovice die 11. Internationale Tagung von Vertretern mitteleuropäischer Jagdverbände aus Deutschland, Österreich, der Schweiz, der Slowakei und aus Tschechien statt. „Jagd in Mitteleuropa – gemeinsame Wurzeln in der Vergangenheit, gemeinsame Probleme in der Gegenwart und gemeinsame Suche nach Lösungen für die Zukunft“, dieses Motto aller Zidlochovicer Tagungen 
führte in diesem Jahr auch Vertreter internationaler Jagdorganisationen nach Tschechien. So konnte zum wiederholten Mal FACE-Präsident Dr. Michl Ebner begrüßt werden. CIC-Präsident Georg Aman , CIC-Vizepräsident Dr. Philipp Harmer und der Vorstand der Internationalen Assoziation für Falknerei und Greifvogelschutz, Dr. Bohumil Straka weilten zum ersten Mal unter den Tagungsteilnehmern.

Die diesjährigen Tagungsschwerpunkte waren
1. Die zukünftige gemeinsame Agrarpolitik der EU und ihre zu erwartenden Auswirkungen auf die Landschaftsstruktur, Biodiversität und Jagd als die mit der Biodiversität eng verbundene Form der Land- und Naturnutzung.

2. Die fortschreitende ungeregelte Verbreitung des Wolfes als große Herausforderung nicht nur für die Landwirtschaft, sondern auch für die Jagd (und nicht zuletzt auch für „entdogmatisierten“ Artenschutz) – eine Suche nach einer gemeinsamen, grenzüberschreitend abgestimmten Strategie

3. Afrikanische Schweinepest und andere zwischen Wild- und Nutztieren übertragbare Krankheiten als gemeinsame Herausforderung für Politik, Landwirtschaft und Jagd.

In das straff organisierte Tagungsprogramm führten ein die Gastgeber Dr. Miroslav Vodnansky vom Mitteleuropäischen Institut für Wildtierökologie und Tschechiens Vize-Landwirtschaftsminister Dipl.-Ing. Pavel Sekáč. CIC-Präsident Aman und FACE-Präsident Ebner bekräftigten die Bedeutung nicht nur der Tagung, sondern auch der ausgewählten Themen für die weitere Gestaltung der Arbeit ihrer international agierenden Jagdorganisationen.
Schwerpunktthemen des Vormittagsblocks waren die Impulsreferate von Vizeminister Pavel Sekáč, „Die zukünftige Ausrichtung der Agrarpolitik im Hinblick auf die Biodiversität“, von Dr. Axel Haider (BMEL, Deutschland), „Gemeinsame Agrarpolitik ab 2020 und ihr Einfluss auf Naturschutz und Jagd“ sowie von Maximilian Hardegg (Gutsverwaltung Hardegg, Niederösterreich), „Ein Plädoyer für eine wildfreundliche Landwirtschaft im Sinne des Artenschutzes“. Das Resümee der Referenten und Ergebnis der hierzu stattgefundenen Diskussionen läßt sich zusammenfassen wie folgt: Die zukünftige Agrarpolitik muss die Themen Erhalt und Förderung der Biodiversität und Artenschutz im Sinne des Erhalts gebietstypischer Landschaftselemente wesentlich mehr in den Focus stellen. Die Förderung aller dazu geeigneten Maßnahmen muss deutlich erhöht, aber zugleich auch deutlich entbürokratisiert werden. Die derartige Maßnahmen planenden und in Anspruch nehmenden Landwirte bilden den zentralen Stamm für ein Umdenken der naturfernen Bevölkerung hinsichtlich der Akzeptanzverbesserung jeglichen landwirtschaftlichen Wirkens. Die damit verbundenen positiven Effekte für die Jagd sind dabei wichtige Nebeneffekte, die dem jägerischen Wirken als Naturnutzer und –schützer dienlich sind. Hinsichtlich zu planender und umzusetzender Maßnahmen können sich bäuerliches und jägerisches Wissen hervorragend ergänzen.

M.Vodnansky (Foto: F. Herrmann)
P.Sekac (Foto: F. Herrmann)
G.Aman (Foto: F. Herrmann)
M. Ebner (Foto: F. Herrmann)
A.Haider (Foto: F. Herrmann)
M.Hardegg (Foto: F. Herrmann)

Im ersten Teil des Nachmittagsblocks stand canis lupus im Focus aller Impulsreferate. „Der Wolf und das Recht – eine komplizierte Beziehung!“, Prof. Dr. Michael Brenner (Lehrstuhl für Deutsches und Europäisches Verfassungs- und Verwaltungsrecht an der FSU Jena, Deutschland) klärte umfassend zum aktuellen Rechts- und Schutzstatus des Wolfes  auf, aber auch zu den sich in diesem Rahmen ergebenden Regulationsmöglichkeiten. „Hunde- und Katzenartige Raubsäuger aus der Sicht des Artenschutzes“ wurden von Martin Görner (Arbeitsgruppe Artenschutz Thüringen, Jena, Deutschland) unter die Lupe genommen. „Wie positioniert sich der DJV in der Wolfsfrage? Was könnte eine gemeinsame Strategie der Jagdverbände sein?“, dieser Fragen widmete sich DJV-Präsident Hartwig Fischer in seinen Ausführungen.  „Die aktuelle Verbreitung des Wolfes und die Darstellung einer artenschutzkonformen jagdlichen Regulierung in der Slowakei“  war Schwerpunkt der Ausführungen von Dr. Imre Šuba (Generalsekretär des Slowakischen Jagdverbandes und der Jagdkammer) sowie von Ing. Matus Rajskỳ   (Mitteleurop. Institut Wildtierökologie und VÚŽV Nitra).

Wolfsmanagement in der Schweiz – Kaufen Sie Gallagher-Aktien!“, dazu informierte Alexander Schwab (Philosoph und Jäger, Schweiz). Der Präsident der Landwirtschaftskammer Niederösterreich, Ök.-R. Ing. Hermann Schultes referierte  zu „Die Wölfe als Gefahrenpotential für ländliche Regionen. Das Thema, über das offen zu reden ist.Das Resümee der Ausführungen der Referenten und der stattgefundenen Diskussionen lautet wie folgt: Der Wolf als aktuelle sich immer weiter ausbreitende große Raubsäuger-Art ist im gesamten Mitteleuropäischen Raum nicht mehr als streng zu schützend nach  FFH-RL einzustufen. Der Wolf verursacht in der dicht besiedelten und genutzten Kulturlandschaft Konflikte mit und zwischen den Landnutzern, die hinsichtlich ihrer Lösung eines möglichst einheitlichen mitteleuropäischen Managements bedürfen. Als Mindestforderung sind einheitliche nationale Regelungen anzustreben. Übertriebener Wolfsschutz durch eine naturferne urbane Klientel verschiedener Naturliebhaber ist auf Dauer der Akzeptanz dieser hochinteressanten und ihren Platz in der heimischen Natur suchenden Wildtierart abträglich. Eine artenschutzkonforme jagdliche Regulierung fördert nicht nur die Akzeptanz dieser Art  im ländlichen Raum, sondern trägt durch die damit  für diese Wildtierart verbundenen Lerneffekte auch zur Minimierung von Konfliktsituationen bei.

M.Brenner (Foto: F. Herrmann)
M.Görner (Foto: F. Herrmann)
M.Rajsky (Foto: F. Herrmann)
H.Schultes (Foto: F. Herrmann)
H.Fischer (Foto: F. Herrmann)
A.Schwab (Foto: F. Herrmann)

Im zweiten Nachmittagsblock der Impulsvorträge widmeten sich die Tagungsteilnehmer der sich in Europa und China ausbreitenden Afrikanischen Schweinepest (ASP). MVDr. Marek Soph (Sektion für die Beziehungen zur EU der Staatlichen Veterinärverwaltung der Tschechischen Republik) referierte  in seinem Impulsvortrag zur Thematik „Die Gefahr der weiteren Einschleppung und Verbreitung der ASP wird immer größer. Wie gehen wir damit um?. Die Referenten Dir. Dr. Martin Zizka (Landwirtschaftsministerium der Tschechischen Republik) und der Landesjägermeister des LJV Tirol , Toni Larcher (Österreich) referierten zum Thema „Die unverzichtbare Rolle der Jagd bei Prävention und Früherkennung der übertragbaren Krankheiten, Erfahrungen mit ASP u.a.“   Im Ergebnis der angeregten Diskussion und basierend auf den in Tschechien bei Bekämpfung der ASP bis dato gewonnenen Erfahrungen konnte folgendes Resümee gezogen werden: Die ASP stellt für alle Nationen eine ökonomisch gravierende Gefahr dar, deren Auswirkungen weit über die Bereiche Landwirtschaft und Jagd hinaus gehen. Nach bisherigem Kenntnisstand ist in Europa der Mensch verantwortlich für die Einschleppung und Verbreitung der Seuche, dies völlig unabhängig von der Höhe des Schwarzwildbestandes in den einzelnen Ländern. Die zu fordernde drastische Reduzierung des Schwarzwildbestandes  ist zur Eingrenzung eines  Ausbruchsortes unumgänglich und zwingend notwendig. Das Bewusstsein der Jäger zur Notwendigkeit der Intensivierung der Schwarzwildbejagung ist weiter zu fördern. Dennoch sollten in der Präventionsphase  keinesfalls jagdethische Aspekte im Zusammenhang mit verschiedensten Forderungen nach Einsatz jeglicher aktuell möglicher technischen Lösungen außer Acht gelassen werden.  Die von Tschechien zur Eingrenzung und Bekämpfung der ASP eingeleiteten Maßnahmen und die bis dato erreichten positiven Ergebnisse sind u.a. das Ergebnis eines streng zentralistisch geführten Veterinärwesens, eines zentralistisch organisierten Jagdwesens, einer von Anbeginn konsequenten und erfolgsorientierten Zielsetzung, gepaart mit der Bereitschaft des Staates, dafür auch nicht unerhebliche finanzielle Mittel bereitzustellen.  Basierend auf diesen Erkenntnissen ist die Zusammenarbeit aller mit der Thematik ASP konfrontierten Behörden, Institutionen sowohl auf nationaler wie auch auf internationaler Ebene weiter auszubauen.  Basierend auf der Notwendigkeit dessen werden auch künftige „Zidlochovicer Gespräche“ für alle Teilnehmer wertvolle Anregungen geben.

Ein besonderer Dank sei gerichtet an die mit der Referentenauswahl  beschäftigten Initiatoren der Tagung, an die Gastgeber und Sponsoren, an den wieder hervorragenden Simultandolmetscher  und   an den Moderator der 10. Zidlochovicer Gespräche, Dr. Miroslav Vodnansky.


Termine

Konstituierende Vorstandssitzung
11 Juni 14:00 - 17:00
Änderungen vorbehalten!
Vereinsmeisterschaften im jagdlichen Schießen
06 Juli - 07 Juli 09:00 - 17:00
Änderungen vorbehalten!
Hauptausschusssitzung
22 November 15:00 - 18:00
Änderungen vorbehalten!